Johannes Spieth: Togo, Togo, über allen (1912)

Kurzbeschreibung

1884 wurde Togo durch Unterzeichnung eines „Schutzvertrages“ zur deutschen Kolonie. Nach dem Bau einer Eisenbahnlinie 1905, welche den Transport von Gütern wie Baumwolle, Kakao, Kautschuk, Erdnüssen, Sisal und Kokos aus dem Hinterland ermöglichte, sollte Togo sich als einzige finanziell rentable Kolonie des Deutschen Reiches erweisen und galt daher als afrikanische „Musterkolonie“. Dieser Liedtext, der vermutlich an protestantischen Missionsschulen verbreitet wurde, vermittelt einen Eindruck vom Selbstverständnis der deutschen Kolonialherren.

Quelle

„Togo, Togo, über allen“
(„Neuer Text nach einer alten Melodie”)

Togo, Togo, über allen,
Über allen Kolonien,
Die zu deinem Wohlgefallen,
Deutscher Schutzherr, Dir erblühen:
Über die im fernen Osten;
Kamerun, Deutsch-Ost, Süd-West –
Kurz, von allen Kolonien
Togo ist und bleibt die best(e)!

Deutsche waren es gewesen,
Die uns einst zuerst gebracht,
Christlich Wissen, christlich Wesen,
Hell erleuchtet unsere Nacht.
Darum soll es laut erklingen
Heute über Land und Meer:
Deutsche Jungen woll’n wir bleiben
Und es werden mehr und mehr’

Deutscher Fleiss und deutsche Sitte
Haben es hervorgebracht,
Dass aus unsres Volkes Mitte
Einigkeit und Friede lacht.
Aufgehoben sind die Fehden,
Die uns ehedem entzweit,
Und nun ruhet Gottes Segen
Auf dem Lande weit und breit.

Deutsche Jugend woll’n wir bleiben,
Unterthanen fromm und treu,
Wollen fröhlich uns verschreiben,
Kaiser Wilhelm, Dir aufs neu’.
Heimat, sollten andre Völker
Kampfesmutig sich dir nah’n,
Du und ich, wir halten beide
Fest und treu zur deutschen Fahn!

Kaiser Wilhelm, es geloben
Heut’ an Deinem Wiegenfest,
Deine Jugend in den Tropen
Dir dies eine ernst und fest:
Solang’ Gott die Kaiserkrone
Dir und deinem Haus erhält,
Folgen Deinem edlen Zepter
Wir vor allen in der Welt.“

Quelle: StAB 7, 1025-21/4, [Johannes] Spieth, Anlage 1 zum 1. Vierteljahresbericht der Norddeutschen Missionsschule, Lome, April 1912; abgedruckt in Thorsten Altena, „Ein Häuflein Christen mitten in der Heidenwelt des dunklen Erdteils“. Zum Selbst- und Fremdverständnis protestantischer Missionare im kolonialen Afrika 1884-1918. Münster 2003, S. 513.

Missionar Wilhelm Guth in Tansania (1927-1933)

Quelle: „Missionar Wilhelm Guth mit Kruzifix von der Gemeinde Hohenaltheim gestiftet (vorn eigene Kinder.)“ Fotograf unbekannt, 1927-33. Archiv des Evangelisch-Lutherischen Missionswerks Leipzig.

Abgedruckt in: Thorsten Altena, „Ein Häuflein Christen mitten in der Heidenwelt des dunklen Erdteils“. Zum Selbst- und Fremdverstädnis protestantischer Missionare im kolonialen Afrika 1884-1918, Münster 2003.

© Archiv des Evangelisch-Lutherischen Missionswerks Leipzig

Johannes Spieth: Togo, Togo, über allen (1912), veröffentlicht in: German History Intersections, <https://germanhistory-intersections.org/de/migration/ghis:document-73> [27.09.2022].