Natur und Geschlecht: Grün ist die Heide (1951)

Kurzbeschreibung

Grün ist die Heide, der Heimatfilm-Klassiker von 1951, handelt von Vertriebenen und deren Integration in eine kleine westdeutsche Gemeinde in der frühen Nachkriegszeit. Natur und Geschlecht dienten als Referenzsysteme, um eine „geordnete“ Gesellschaft zu zeigen, die nicht an den Nationalsozialismus erinnerte. Der Film erzählt die Geschichte des ehemaligen Rittergutsbesitzers Lüdersen und seiner Tochter Helga, zwei Vertriebenen aus Ostpreußen, die bei adligen Verwandten in der Lüneburger Heide Zuflucht suchen. Helga, die perfekte Verkörperung der Nachkriegsweiblichkeit, passt sich relativ schnell an ihre neue Umgebung an, während ihr Vater sich zunächst schwer tut. Kriegsniederlage und Vertreibung haben ihn in eine persönliche Krise gestürzt, die ihn zu Fehlentscheidungen veranlasst. Aus Trauer über den Verlust seines Besitzes, seiner Herrschaft und seiner Fähigkeit zu jagen (seiner bevorzugten Freizeitbeschäftigung), wandert Lüdersen nachts durch die Heide und wird zum Wilderer. Von Nachbarn und anderen wird er zunächst mit Misstrauen betrachtet, aber nachdem er einen Mörder gefasst hat, wird er als Ehrenmann rehabilitiert.

Dieses Filmplakat von 1951 zeigt die Heldin Helga Lüdersen mit ihrem Liebsten, dem Förster Walter Rainer, gespielt von Rudolf Prack. Die beiden sind in einem Wald zu sehen, der die Kulisse für ihre aufkeimende Romanze bildet. Ein Link zu einer Version von Grün ist die Heide in voller Länge findet sich unter „weiterführende Inhalte“. Die hier ausgewählte Szene erscheint bei Minute 33:00. Eine weitere wichtige Szene findet sich bei Minute 13:30–15:25, als eine besorgte Helga ihren Vater wegen seiner Wilderei zur Rede stellt. Hier kommt die Natur als Metapher für Heimat zum Tragen. Die bewegendste Szene des Films spielt sich bei ca. 1:08:30 ab, als Lüdersen auf dem Schützenfest eine Rede vor seinen Tischnachbarn hält. Seine Rede beschreibt die Erfahrung der Vertreibung und den Schmerz des Verlassens der Heimat.

Quelle

Quelle: Grün ist die Heide (FRG, 1951), film poster. 

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Michaela S. Ast, „Flucht und Vertreibung im bundesdeutschen Spielfilm der 1950er-Jahre“, Bundeszentrale für politische Bildung, https://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/74912/flucht-und-vertreibung (letzter Zugriff: 26. Juni 2021)

Alon Confino, „‚This Lovely Country You Will Never Forget‘. Kriegserinnerungen und Heimatkonzepte in der westdeutschen Nachkriegszeit“, in Das Erbe der Provinz. Heimatkultur und Geschichtspolitik nach 1945, herausgegeben von Habbo Knoch. Göttingen: Wallstein, 2001, S. 23551.

„Grün ist die Heide“ (1951), https://www.youtube.com/watch?v=1ReZIMmD_8E (letzter Zugriff: 6. Juli  2021)

Johannes von Moltke, No Place like Home. Locations of Heimat in German Cinema. Berkeley und Los Angeles: University of California Press, 2005.

Natur und Geschlecht: Grün ist die Heide (1951), veröffentlicht in: German History Intersections, <https://germanhistory-intersections.org/de/deutschsein/ghis:image-93> [21.01.2022].