Saba B., Zeitzeugenbericht über die Arbeit an der Landsberger Lager-Cajtung (Rückblick, 1982)

Kurzbeschreibung

Videoaufnahme eines Zeitzeugeninterviews mit Saba B., die ungefähr 1926 geboren wurde. Der Ausschnitt beschreibt ihre Ankunft im DP-Lager Landsberg und ihre Erfahrungen bei der Arbeit an der Landsberger Lager-Cajtung. Sie berichtet, dass sie trotz ihrer begrenzten Erfahrung mit dem Maschinenschreiben vom Gründer der Zeitung, Rudolph Valsonok, angeworben wurde. Der fehlende Zugang zu einem hebräischen Schriftsatz bedeutete, dass Saba und andere Mitarbeiter für ihre jiddischsprachige Zeitung zunächst einen römischen Schriftsatz verwenden mussten.

Quelle

Übersetzung

Saba B.: [ . . . ] Und dann bin ich in ein anderes Camp gekommen. Dort habe ich niemanden gefunden aber dann habe ich ein Camp Landsberg gefunden. Es hat mich sehr beeindruckt, dass die Leute dort schon produktiv waren. Es hat etwas gedauert aber dann habe ich dort einen Job gefunden.

Frage: War das ein DP Camp?

Saba B.: Mmhmm. Dort habe ich mir dann eine Arbeit gesucht. Es gab dort einen Mann, Dr. Valsonok, der war bereits ein Fachmann vor dem Krieg. Er kam aus Litauen und war Journalist. Er hatte vor dem Krieg in Journalismus promoviert. Er hatte die Idee für eine jüdische Zeitung. Sie haben eine Schreibkraft gebraucht. Du kannst mir glauben: ich bin keine Schreibkraft. Aber zuhause hatten wir eine Schreibmaschine. Okay, war ich eben eine Schreibkraft. Ich konnte Jiddish nicht gut genug, um es schreiben zu können und wir hatten auch keine hebräischen Drucktypen. Ich habe die Zeitung noch, ich hätte sie mitbringen sollen um sie Ihnen zu zeigen. Ich habe sie von der ersten Ausgabe an. Vom Anfang bis zum Ende war ich dabei. Wir waren in der Nähe einer jüdischen Zeitung gewesen, jiddische Wörter mit lateinischen Buchstaben und einem Alphabet. Eine Seite. Dann haben wir eine Druckerpresse bekommen. Eine deutsche Druckerei, die eine deutsche Zeitung herausgebracht und gedruckt hat, hat uns ihre Presse und einen Raum zur Verfügung gestellt. Also hat Dr. Valsonok seine Artikel für diese eine Seite geschrieben, ich habe getippt und die Hälfte der Zeit hatte ich keine Ahnung was ich eigentlich geschrieben habe. Dieser Mann hat mir das alles beigebracht. Um es kurz zu machen: nach einiger Zeit haben wir es von dieser einen Seite auf 36 Seiten gebracht. Und nach einiger Zeit haben wir dann auch hebräische Lettern und eine hebräische Schreibmaschine bekommen. Zu ihrer Information, ich kann auf einer jüdischen Schreibmaschine tippen, aber ich hatte es lange nicht getan. [ . . . ]


Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche: Elisabeth Mait

Quelle: Saba B., Zeitzeugenbericht (HVT-270) [Videoaufnahme] / Interview von Frances Ganz, 23. August 1982. Clip zur Verfügung gestellt vom Fortunoff Archive for Holocaust Testimonies, Yale University Library, http://hdl.handle.net/10079/bibid/4293370

Zeev W. Mankowitz, „Two Voices from Landsberg: Rudolf Valsonok and Samuel Gringauz“, in Life between Memory and Hope: The Survivors of the Holocaust in Occupied Germany. Cambridge, UK: Cambridge University Press, 2002, S. 161-91.

Saba B., Zeitzeugenbericht über die Arbeit an der Landsberger Lager-Cajtung (Rückblick, 1982), veröffentlicht in: German History Intersections, <https://germanhistory-intersections.org/de/wissen-und-bildung/ghis:video-4> [10.06.2023].