Kleidung eines deutschen Hofmanns (1577) und einer deutschen Fürstin und Gräfin (1586)

Kurzbeschreibung

Trachten- oder Kostümbücher sind eine frühneuzeitliche Quellengattung, die zum einen bedingt durch den Buchdruck und zum anderen inspiriert durch Expansionen und Reisen ab dem 16. Jahrhundert sehr erfolgreich vertrieben und rezipiert wurden. Kleidungen aus anderen Weltteilen waren darin ebenso zu sehen wie nationale Trachten und Kleiderstile aus Europa. So finden sich in Trachtenbüchern auch deutsche Kostüme und Trachten für Männer und Frauen unterschiedlicher Stände.

Die erste Abbildung stammt aus dem berühmten Trachtenbuch von Hans Weigel und Jost Amman aus dem Jahr 1577, Habitus praecipuorum populorum tam virorum quam feminarum singulari arte depicti. Mit dem Ende des Mittelalters und im Laufe der Frühen Neuzeit setzte sich eine geschlechterspezifische Kleidung durch. Die Kürzung der Oberkleidung beim Mann (Jacke und Wams) führte langfristig dazu, dass die Beinlinge zu Hosen wurden und sich unterschiedliche Kleidung für Frauen und Männer herausbildete. Männer trugen Hosen und kurze Oberbekleidung, Frauen kleideten sich nach wie vor in langer Oberbekleidung.

Die zweite und dritte Abbildung zeigen eine deutsche Fürstin und eine deutsche Gräfin und stammen aus dem Trachtenbuch von Conrad Lautenbach (Thrasibulus Torrentinus Mutislariensis) mit dem Titel Im Frauwenzimmer wirt vermeldt von allerley schönen Kleidungen vnnd Trachten der Weiber/ hohes vnd niders Stands/ wie man fast an allen Orten geschmückt vnnd gezieret ist (1586), das sich speziell der Frauenbekleidung widmete.

Quelle

Quelle: Kleidung eines deutschen Hofmanns, aus Hans Weigel und Jost Amman, Habitus praecipuorum populorum tam virorum quam feminarum singulari arte depicti. Nürnberg, 1577. Bayerische Staatsbibliothek. Online verfügbar unter: http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00072483/image_15

Thrasibulus Torrentinus Mutislariensis (Conrad Lautenbach), Im Frauwenzimmer wirt vermeldt von allerley schönen Kleidungen vnnd Trachten der Weiber/ hohes vnd niders Stands/ wie man fast an allen Orten geschmückt vnnd gezieret ist: Als Teutsche/ Welsche/ Frantzösische/ Engelländische/ Niderländische/ Böhemis.../ [Online-Ausgabe]. Franckfurt am Mayn: Feyrabend, 1586, 14–15. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Online verfügbar unter: http://diglib.hab.de/drucke/180-19-quod-3s/start.htm

Bayerische Staatsbibliothek/ Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

Frederick G. Crofts, „Visualizing Germanness through Costumes in the Sixteenth Century“, The Historical Journal, volume 64, issue 5 (December 2021), S. 1198–1229. DOI: https://doi.org/10.1017/S0018246X20000667

Gabriele Mentges, „Mode, Städte und Nationen: Die Trachtenbücher der Renaissance“, in Jutta Zander-Seidel, Hrsg., In Mode. Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock. Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum. Nürnberg, 2015, S. 144–51.

Ulinka Rublack, Dressing Up. Cultural Identity in Renaissance Europe. New York: Oxford University Press, 2010.

Claudia Ulbrich und Richard Wittmann, Hrsg., Fashioning the Self in Transcultural Settings: The Uses and Significance of Dress in Self-Narratives. (Istanbuler Studien und Texte 17) Würzburg, 2015.

Kleidung eines deutschen Hofmanns (1577) und einer deutschen Fürstin und Gräfin (1586), veröffentlicht in: German History Intersections, <https://germanhistory-intersections.org/de/deutschsein/ghis:image-246> [27.03.2023].